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Es versteht sich von selbst, dass von einem Kunsthändler erwartet wird, für die Echtheit der von ihm zum Verkauf angebotenen Kunstwerke gerade zu stehen. Mit der Preisexplosion der auf dem Kunstmarkt angebotenen Werke hat der Status des Kunstexperten allerdings eine Bedeutung angenommen, welche die kunsthändlerische Verantwortung weit übertrifft.

Mit dem sukzessiven Erscheinen der Werkverzeichnisse der wichtigen Künstler der letzten Jahrhunderte hat sich die Usanz eingebürgert, dass es für jeden Künstler einen Experten gibt, der über Echt und Falsch des von ihm betreuten Oeuvres entscheidet. Die Auktionshäuser legen diesem designierten Experten die noch nicht registrierten Werke des betreffenden Künstlers vor und verkaufen sie – bei positivem Bericht – als ein Werk, das a) in das entstehende Werkverzeichnis aufgenommen wird, b) in ein Supplement zum bereits existierenden Werkverzeichnisses aufgenommen wird oder c) mit einem Zertifikat der Echtheit durch den Experten.

Experten sind aber erstens auch nur Menschen, zweitens manchmal befangen und sie können sich irren. Der berühmte Ausspruch des Malers Max Liebermann: es ist die Aufgabe der Kunsthistoriker, unsere schlechten Bilder für falsch zu erklären, zeigt die Situation deutlich auf. Es würde zu weit führen, die Kriterien aufzulisten, die alle berücksichtigt werden müssen, bevor ein seriöser Experte sich erlauben darf, ein Kunstwerk als eine Fälschung zu bezeichnen. Noch komplexer sind die Konsequenzen, wenn ein vollständig unbekanntes Werk als authentisches Oeuvre eines Künstlers akzeptiert wird.

Seit dem Erscheinen des Werkverzeichnisses von Paul Cézanne gelte ich als der Experte dieses Künstlers und habe in den letzen 12 Jahren Anfragen zur Echtheit angeblicher Cézannes erhalten, die 10 Ordner füllen. Nicht ein Bild war dabei, wo sich die Zuschreibung an Cézanne problemlos aufdrängt.

Trotzdem bin ich bereit, alle diese Bilder zu begutachten, wobei folgende Bedingungen erfüllt werden müssen.

Ich verlange eine Photographie des Werkes (möglichst in Farbe), die ich nach getaner Arbeit in meiner Dokumentation archiviere.
Sofern keine weiteren Untersuchungen nötig sind, ist die Beurteilung kostenlos.
Meine Meinung äussere ich so schnell, wie es mir möglich ist. Sie wird mit dem Vermerk "meiner Meinung nach" versehen, was bedeutet, dass ich mein Verdikt nicht als absolut betrachte, was mich jedoch nicht davon abhält, nach "bestem Wissen und Gewissen" zu urteilen.


Ein zweiter Künstler, zu dem ich regelmässig um meine Meinung gefragt werde, ist Vincent van Gogh. Hier gilt als Weltexperte das Van Gogh Museum in Amsterdam und ich weise bei allen Fragen an mich auf diese Tatsache hin. Trotz einer guten kollegialen Beziehung mit meinen Freunden in Amsterdam gibt es jedoch Fälle, wo wir verschiedener Meinung sind.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass jedes Werkverzeichnis – wie jede Arbeit über einen Künstler – einen Forschungsbeitrag darstellt, der den Stand des Wissens erhöht, ihn aber keinesfalls ausschöpft. Jeder Forscher hat seinen bestimmten Zugang zu dem von ihm untersuchten Künstler. Bei Van Gogh waren es zum Beispiel für Jan Hulsker die Briefe und deren Datierung, für mich sind es die frühen Provenienzen. So arbeiten wir alle auf unserem jeweiligen Gebiet, um schlussendlich dem Künstler in seiner Ganzheit zu vollem Recht zu verhelfen.



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